Kunst

Das schöne Leben

erschienen am 17.01.2017


Ich spreche es jetzt mal aus. Ich wünsche mir das schöne Leben. Für jeden, für alles was atmet.
Völlig utopisch. Träum weiter.
Und dennoch, ich wünsche mir das schöne Leben. Keine Revolution. Keine Utopie. Keine unerreichbare Unerreichbarkeit. Nur dieses Adjektiv vor dem Substantiv dieses Lebens das uns eint.
Ach, daran glaubst du noch? Ist das nicht ein bisschen naiv? Sorry, nicht mehr so ganz zeitgemäß. In der heutigen Zeit…

Ich fange jetzt nicht vom Weltfrieden an, das wäre wohl dran an dieser Stelle, von menschenunwürdigen Lebensbedingungen in Zeiten des Krieges in fragwürdigen politischen Systemen oder religiösem Fanatismus, von der Mühle der Globalisierung, der Ausbeutung der Ressourcen dieses Planetens. Von der verschiedenen Wertigkeit eines Lebens je nachdem, wo man das Glück oder Pech hat, geboren zu sein. Oder davon, ob man ein Hund ist, und damit ein geliebtes Familienmitglied oder ein männliches Küken und damit nutzloser Abfall.

Ich fange nicht an, diese großen Fragen auf den Plan zu holen, die scheinbar alle in einem Gefüge aus Macht und Machtlosigkeit verstrickt zu sein scheinen, dessen roter Faden zu Zündschnur geworden ist.
Ich stelle den Fernseher aus wenn es zu viel wird. Angesichts dieser Ohn-Macht. Wirklich?

Vielleicht sollten wir kleiner anfangen. Viel kleiner. Mit den Basics. Bei uns selbst. Vielleicht fehlt es an Mitgefühl. Als Voraussetzung für Toleranz. Vielleicht sogar Akzeptanz des anderen Lebens. Vielleicht braucht es mehr Umsicht in engstirnigen Köpfen und weniger Rotation um die eigene Achse für einen anderen Blick?

Doch, fallen wir zurück, wenn wir innehalten? Ist es nicht behaglicher, jeder denkt an sich, damit man nicht am Ende noch selbst auf der Strecke bleibt? Wie soll das gehen mit dem schönen Leben? Wenn das Leben der anderen weit entfernt von nur okay ist? Gebeutelt von den großen Fragen und ächzend unter dem höllischen Gewicht der Macht und Machtlosigkeit?

Vielleicht fängt es mit Dankbarkeit an.

Dafür, dass man dieses Leben hat. Mit diesen Möglichkeiten. Mit einem ungefährlichen Adjektiv davor. Dieses Leben als Geschenk und als Herausforderung, als Geschichtsbuch der eigenen Identität. Ein Leben zum Wachsen und zum größer werden und ein Leben um die Scherben dessen, was auf dem Weg zu Bruch gegangen ist, zusammenzukehren und am Ende vielleicht das Glück darin zu sehen, dass es doch anders gekommen ist?

Ist das das gute Leben? Zu lernen was einem widerfährt als etwas Eigenes anzunehmen, ohne sich deshalb in Gedanken zu positionieren als Gewinner oder Verlierer?
Sich zu sagen: ich habe das erlebt, weil ich lebe, weil ich Leben erleben kann, auch wenn das Gepäck nicht immer leicht ist und die Schuhe Blasen machen. Ich habe das erlebt, weil ich da bin, und weil das ein Teil der Spur ist, die ich hinterlasse. Weil mein Geist frei ist von der Angst, ob ich morgen noch hier sein werde.

Ist das das schöne Leben? Die Fähigkeit, das Leben spüren zu können? Und dann zu wählen, welches Adjektiv man davor positionieren möchte.

Das nenne ich Glück.


Unterwegs im Leben




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